Biogasanlage mit grünen Fermentern und technischen Anlagen am Rand eines landwirtschaftlichen Feldes.

Grünes Gas für grüne Wärme.

Biomethan gilt als Option für eine klimaneutrale Wärmeversorgung. Gesetzgeber und Energieversorger wollen dem grünen Gas mehr Raum geben.

Die Diskussion über die Zukunft der kommunalen Wärmeversorgung verschafft Biomethan aktuell zunehmend Beachtung. Das grüne Gas könnte in Deutschland erzeugt werden, die Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren, im Gasnetz verteilt und in herkömmlichen Gasheizungen genutzt werden, so die Überlegungen.

Signifikante Potenziale gibt es auch im ländlichen Brandenburg – hier werden bereits heute bis zu 20 Prozent der bundesweiten Biomethanmengen erzeugt. Das Thema beschäftigt auch die Politik.

Die EU-Kommission sieht in Biomethan eine Option, die Abhängigkeit Europas von Energieimporten zu verringern und kündigte im April vor dem Hintergrund kriegsbedingt steigender Energiepreise an, dessen Nutzung steigern zu wollen. Die nachhaltige Biomethan-Produktion in der EU soll bis 2030 auf 35 Milliarden Kubikmeter im Jahr, das entspricht etwa 370 Milliarden Kilowattstunden Energie, verdoppelt werden.

Mehr Raum für Biomethan in der Wärmeversorgung.

Die Bundesregierung will Biomethan ebenso mehr Raum geben. Das zeigt der aktuelle Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums für ein Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), das unter anderem vorsieht, Betreiberinnen und Betreiber von Gasheizungen und Gasliefernde zu steigenden Anteilen grüner Gase im Heizgas zu verpflichten. Das GModG soll das Gebäudeenergiegesetz, auch Heizungsgesetz genannt, ersetzen und im Sommer in Kraft treten.

Darüber hinaus will die Bundesregierung mit einer Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) neben anderen Regelungen zur Zukunft der Gasnetze die Bedingungen für das Einspeisen von Biomethan in das Gasnetz anpassen. Mit der Änderung werden Bestimmungen des EU-Gaspakets umgesetzt.

Neu geregelt werden sollen der Anschluss von Biomethan-Erzeugungsanlagen ans Gasnetz sowie Fristen für die Trennung vom Netz bei möglichen Gasnetzstilllegungen. Die Gesetzesänderung soll noch im Sommer beschlossen werden. Die Biogasbranche braucht klare Einspeiseregeln, weil sie zunehmend darüber diskutiert, Rohbiogas, aus dem bislang direkt Strom erzeugt wird, künftig zu Biomethan aufzubereiten und ins Gasnetz einzuspeisen.

Hintergrund für solche Überlegungen ist, dass zahlreiche Biogasanlagen demnächst keine EEG-Vergütung mehr für den in das Netz eingespeisten Strom erhalten, weil die Vergütung nach 20 Jahren endet. Damit fällt für Biogas-Produzenten ein lukrativer Vermarktungsweg weg.

Biomethanstrategie setzt auf Umrüstung von Biogasanlagen.

Auf Biomethan aus umgerüsteten Biogasanlagen setzt die Biomethanstrategie der Energie Brandenburg. Das Unternehmen will Kommunen damit eine Option für klimaneutrale Wärmeversorgung anbieten. Geschäftsführerin Kathrin Jung präsentierte die Strategie, gemeinsam mit dem Leiter Märktestrategie, Daniel Iglhaut, bei der Infrastrukturkonferenz Ostdeutschland des Energieverbandes BDEW am 11. März in Wittenberg.

Energie Brandenburg Geschäftsführerin Kathrin Jung hält bei Gallery Walk einen Vortrag zum Thema Biomethan vor einem großen Bildschirm.
Kathrin Jung, Geschäftsführerin Energie Brandenburg, präsentierte in Wittenberg die Biomethanstrategie des Unternehmens. Foto: Energie Brandenburg
Geschäftsführerin Kathrin Jung mit Daniel Iglhaut, Leiter Märktestrategie, bei Diskussion am Stand von Energie Brandenburg in Wittenberg. Foto: BDEW
Kathrin Jung mit Daniel Iglhaut, Leiter Märktestrategie, bei der Infrastrukturkonferenz Ostdeutschland des Energieverbands BDEW am 11. März 2026 in Wittenberg. Foto: BDEW

Allein in Brandenburg gebe es mehrere Hundert Strom produzierende Biogasanlagen, für die in absehbarer Zeit die EEG-Vergütung für eingespeisten Strom auslaufe, so die Geschäftsführerin. Energie Brandenburg gehe davon aus, dass sich die Biomethan-Einspeisemenge, beispielsweise im westlichen Brandenburg, auch aufgrund eines geringeren Energieverbrauchs bis 2045 auf das Drei- bis Fünffache erhöhen ließe.

Das ermögliche, in erzeugungsnahen ländlichen Netzgebieten, zum Beispiel in Kommunen im Havelland, Schritt für Schritt regionale Versorgungen mit reinem Biomethan aufzubauen. Kommunen könnten so Biomethan in die Wärmeplanung einbeziehen.

Person sitzt in einer Gesprächssituation und diskutiert als Geschäftsführer von Energie Brandenburg auf dem Podium.
Die weitere Nutzung der Gasnetze sei volkswirtschaftlich sinnvoll; auch das spreche für den Aufbau von Biomethanversorgungen, sagte in Wittenberg Leif Christian Cropp, Geschäftsführer Energie Brandenburg. Foto: BDEW

Biomethan sei eine wichtige Option für heimische Energie in der Wärmeversorgung, ergänzte Leif Christian Cropp, Vorsitzender der Geschäftsführung der Energie Brandenburg, bei einer Podiumsdiskussion in Wittenberg. Die Biomethaneinspeisung ins Gasnetz – vor allem in Vorranggebieten – sei auch deshalb zu befürworten, „weil es volkswirtschaftlich sinnvoll ist, die Gasinfrastruktur weiter zu nutzen“.

Energieverbände sehen erhebliche Erzeugungspotenziale.

Unklar ist, wie sich bei zunehmender Einspeisung die Preise für Biomethan verändern. Das grüne Gas ist bislang im Vertrieb teurer als Erdgas. Bei Energie Brandenburg ist man zuversichtlich, wettbewerbsfähige Konditionen für die Wärmeversorgung anbieten zu können.

In Deutschland wurden im letzten Jahr 12,8 Milliarden Kilowattstunden Biomethan ins Gasnetz eingespeist. Genutzt wird es bisher überwiegend zur Erzeugung von Strom- und Wärme für Haushalte und Industrie oder als Kraftstoff. Wenn alle etwa 9.600 Biogasanlagen im Land mit Biomethanaufbereitung ausgerüstet wären, könnten sie rechnerisch gut 80 Milliarden Kilowattstunden Biomethan produzieren.

Schwerpunkte der Biogaserzeugung liegen in ländlichen Regionen Süddeutschlands und der nördlichen Bundesländer. Der Energieverband BDEW schätzt die Erzeugungspotenziale für Biomethan in Deutschland bis 2030 auf 100 Milliarden Kilowattstunden – der Fachverband Biogas hält sogar 150 Milliarden Kilowattstunden für möglich.

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