Transformation auf Kurs.
Der erkennbare Erfolg beim Reduzieren der Treibhausgasemissionen unterstreicht Brandenburgs Weg von einer fossil zur erneuerbar ausgerichteten Energiewirtschaft.
Das Energieland Brandenburg setzt auf eine innovative und zunehmend klimaverträgliche Wirtschaft. Im Energiesektor steht das Land damit im Bundesländervergleich recht gut da. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktuelles Ranking der Umweltorganisation WWF.
Demnach ist Brandenburg bei der Energiewende von allen Bundesländern am weitesten fortgeschritten: Der Ausbau der erneuerbaren Energien komme voran und das Land habe sich zum „Spitzenreiter der Transformation“ entwickelt, stellt das im Herbst 2025 veröffentlichte WWF-Ranking fest.
Auf Transformation von Energieversorgung und Wirtschaft in Brandenburg zielt auch der im März unterzeichnete Koalitionsvertrag von SPD und CDU, der nach dem Scheitern der SPD/BSW-Koalition eine neue Landesregierung ermöglichte.
Koalition verspricht Kontinuität bei Energiepolitik.
Die Regierungspartner SPD und CDU bekennen sich im Koalitionsvertrag zur bisherigen Energiestrategie 2040 und zum Klimaplan des Landes. Brandenburg wolle seine wachsende Wind- und Solarstromproduktion als Standortvorteil für die Wirtschaft nutzen und den Ausbau erneuerbarer Energien fortsetzen.
Die neue Wirtschafts- und Energieministerin Martina Klement (CSU) konnte kurz nach Amtsantritt ein positives Zwischenresultat der Klimaschutzbemühungen des Landes vermelden: Laut ersten Hochrechnungen seien die Treibhausgasemissionen in Brandenburg 2025 gegenüber dem Vorjahr um 3,9 Prozent auf 51,3 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente zurückgegangen und damit auf dem niedrigsten Stand seit 1990, erklärte die Ministerin.
Der Rückgang sei zwar zum Teil auf konjunkturelle Effekte zurückzuführen, Hauptgründe seien jedoch der Ausbau erneuerbarer Energien und die rückläufige Braunkohleverstromung. Fortschritte bei der Transformation der Energieversorgung zeigen auch Zahlen des Amtes für Statistik zur Stromerzeugung im letzten Jahr:
- Demnach stammten 2025 bereits 54,9 Prozent des ins öffentliche Netz in Brandenburg eingespeisten Stroms aus erneuerbarer Erzeugung; das sind 2,2 Prozentpunkte mehr als 2024. Wind und Sonne waren dabei die wichtigsten Energieträger.
- Dagegen nahm die Stromeinspeisung aus Braunkohle 2025 gegenüber dem Vorjahr um 8,9 Prozent ab; der Anteil der Braunkohle an der Einspeisemenge lag nur noch bei 38,5 Prozent.
- Die in Brandenburg insgesamt ins Netz eingespeiste Strommenge (rund 41 Milliarden Kilowattstunden) ging auch 2025 deutlich über den Bedarf im Land hinaus. Der jährliche Stromverbrauch wird auf etwa 15 bis 17 Milliarden Kilowattstunden geschätzt.
Stromerzeugung und Netzausbau in Einklang bringen.
Für die Zukunft will die Landesregierung darauf achten, dass die erneuerbare Stromerzeugung im Einklang mit dem Ausbau von Netzen sowie Speicherkapazitäten steht und zu einer resilienten Stromversorgung mit wettbewerbsfähigen Preisen führt.
Ziel sei ferner eine „faire Verteilung der Netzentgelte und eine Absenkung der Redispatch-Kosten“ sowie die Möglichkeit, in Brandenburg erzeugten Strom möglichst vor Ort zu günstigen Bedingungen nutzen oder speichern zu können, heißt es im Koalitionsvertrag.
Dies bekräftigte bei der Infrastrukturkonferenz Ostdeutschland des BDEW am 11. März in Wittenberg Brandenburgs Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke (SPD).
Thema der Konferenz war auch die Wärmeversorgung. Kathrin Jung und Leif Christian Cropp aus der Geschäftsführung der Energie Brandenburg stellten Überlegungen vor, Biomethan als Wärmeenergie zu nutzen.
Prof. Dr. Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrates Wirtschaft, betonte bei der BDEW-Konferenz die Bedeutung der wirtschaftlichen Erneuerung für die ostdeutschen Bundesländer.
Es gebe zu wenige Unternehmensneugründungen, Deutschland sei zu stark abhängig von ausländischen Technologien, bemängelte sie. „Wir müssen uns selbst erneuern“, appellierte Schnitzer. Innovationen müssten zu neuen Geschäftsmodellen entwickelt werden.
Brandenburgs Landesregierung will dafür „die Innovationsstrategie Berlin-Brandenburg weiterentwickeln und die Zusammenarbeit in Forschung, Entwicklung und Industriebereichen gezielt vorantreiben“, wie es im Koalitionsvertrag von SPD und CDU heißt.
Entwicklung der Lausitz mit Innovation stärken.
Als konkrete Energieinnovationen genannt sind die Entwicklung der Lausitz als Europas erstes „Net-Zero Valley“, der Aufbau einer Batterieproduktion und die Etablierung von Wasserstoff als Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität in Brandenburg.
Zum lukrativen Geschäftsmodell könnten auch große Batteriespeicher werden. Brandenburg ist wegen vieler Wind- und Solarkraftwerke, aber auch wegen verfügbarer Flächen als Speicherstandort prädestiniert.
Eine große Zahl von Netzanschlussanträgen für Batteriespeicher deutet auf ein sich entwickelndes Geschäft hin. Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, zu dessen Netzgebiet Brandenburg zählt, sprach zuletzt von Netzanschlussanträgen für Speicher in einem kaum noch zu bewältigenden Umfang.
Der Stromproduzent Leag will unter anderem in Jänschwalde in der Lausitz einen Großspeicher der Gigawattklasse (1.000 MW) errichten. Leag-Vorstandschef Adi Roesch mahnte dafür bei der BDEW-Infrastrukturkonferenz in Wittenberg stabile Rahmenbedingungen und eine Reduzierung der Überregulierung an.
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Jens Teich
Referent Kommunen