Ein blauer Bus mit geöffneter Heckklappe, in der man einen Wasserstofftank sieht, steht an einer Wasserstoffzapfsäule an einer Wasserstofftankstelle.

Mit dem Wasserstoffbus durch die Lausitz.

Energie Brandenburg wird ab 2031 grünen Wasserstoff für den Busverkehr im Landkreis Spree-Neiße produzieren und liefern.

Der brandenburgische Landkreis Spree-Neiße will schrittweise auf klimaverträglichen Nahverkehr mit Wasserstoffbussen umsteigen. Der Landkreis hatte dafür bereits im letzten Jahr 35 Wasserstoffbusse beschafft. Der Erwerb wurde vom Bundesverkehrsministerium („Richtlinie zur Förderung alternativer Antriebe von Bussen im Personenverkehr“) gefördert.

Die ersten Fahrzeuge sind im Einsatz; aufgrund aktuell noch eingeschränkter Betankungskapazitäten sind vorerst nur jeweils drei Fahrzeuge gleichzeitig im regulären Linienbetrieb unterwegs. Sie werden bislang mit Wasserstoff aus einer mobilen Trailer-Tankstelle in Cottbus versorgt.

Der Dienstleister FPS Energy wird bis Ende des Jahres auch in Guben und Spremberg/Schwarze Pumpe mobile Trailer-Tankstellen für den Busbetrieb im Landkreis einrichten. Damit können alle 35 Busse mit grünem Wasserstoff versorgt werden. Spätestens zum Jahresbeginn 2027 sollen dann alle 35 Wasserstoffbusse auf den Linien im östlichen Gebiet des Landkreises Spree-Neiße eingesetzt werden.

Längerfristig vorgesehen ist, den Kraftstoff für die Fahrzeuge sogar im Landkreis zu erzeugen; Energie Brandenburg wird dafür bis 2031 in der Kreisstadt Forst (Lausitz) in der Lausitz eine PEM-Elektrolyseanlage, die mit Ökostrom Wasserstoff produziert, und eine Tankstelle für Busse bauen. Auch zwei Müllfahrzeuge für die Stadt Forst (Lausitz) sollen dort mit dem grünen Gas versorgt werden.

Für die Errichtung von Elektrolyseanlage und Tankstelle ist die Förderung über das Investitionsgesetz Kohleregion durch die Interministerielle Arbeitsgruppe befürwortet und der Antrag bei der Investitionsbank Brandenburg gestellt worden.

Ein rot-weißer Nahverkehrsbus steht auf einem Parkplatz. Er ist als Bus, der mit Wasserstoff betrieben wird, gekennzeichnet.
Wasserstoffbusse vom nordirischen Hersteller Wrightbus sind in Cottbus und im Landkreis Spree-Neiße im Linienverkehr unterwegs. Foto: Cottbusverkehrn Norbert Mannigel

Elektrolyseur erzeugt Wasserstoff für Busse.

Erfahrung im Tankstellengeschäft hatten Energie Brandenburg und der Mutterkonzern GASAG über Jahre mit Erdgastankstellen in Berlin und Brandenburg gesammelt; 2019 wurden die Tankstellen jedoch verkauft.

Im letzten Jahr erhielt Energie Brandenburg dann im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung den Auftrag, eine Elektrolyseanlage (5 Megawatt elektrische Leistung), ausgelegt auf eine Jahresproduktion von 14,4 Millionen Kilowattstunden (365 Tonnen) Wasserstoff, sowie eine Tankstelle mit Wasserstoffspeicher, Verdichter und vier Dispensern zum Betanken von Fahrzeugen in Forst (Lausitz) zu bauen.

Die Anlage ist außerdem mit einer Abfüllstation für LKW-Trailer ausgestattet, mit denen auch die mobilen Tankstellen für den Busverkehr im Landkreis Spree-Neiße mit regional produziertem Wasserstoff beliefert werden sollen. Energie Brandenburg wird den Elektrolyseur und die Tankstelle künftig auch betreiben.

Leif-Christian Cropp, Vorsitzender der Geschäftsführung der EMB Energie Brandenburg GmbH, stellte das Projekt am 10. September in Potsdam beim Brandenburger Wasserstofftag erstmals der Öffentlichkeit vor: „Unser Projekt ‚Wasserstofftankinfrastruktur‘ in Forst (Lausitz) umfasst mehr als den Bau einer dauerhaft leistungsfähigen Tankstelle. Denn mit dem Elektrolyseur erzeugen wir zudem den Kraftstoff aus erneuerbaren Energien vor Ort. Damit sorgen wir für einen klimaschonenden Betrieb von Bussen und Müllsammelfahrzeugen des Landkreises Spree-Neiße, der gleichzeitig unabhängig von Importen ist.“

Energie Brandenburg erweitert Dienstleistungsangebot.

Das Unternehmen erweitert mit der Tankstelle sein Dienstleistungsportfolio. Wasserstoff sei von strategischer Relevanz für die gesamte GASAG-Gruppe, heißt es aus der Energie-Brandenburg-Zentrale in Michendorf. Im Transportsektor ließen sich schon heute Wasserstoffprojekte wirtschaftlich umsetzen.

Verhandlungen zwischen Energie Brandenburg und dem Landkreis Spree-Neiße hätten „zu einem fairen und transparenten Preismodell“ für den Wasserstoff geführt, so das Unternehmen. Auch die Eigenbetriebe des Landkreises sollen so von der weiteren Wasserstoffentwicklung profitieren. Die Erzeugung in Forst (Lausitz) sorge darüber hinaus für regionale Wertschöpfung.

Die Busse für das grüne Nahverkehrsprojekt lieferte der nordirische Hersteller Wrightbus. Die zwölf Meter langen Kite Hydroliner werden durch Elektromotoren angetrieben; den Fahrstrom liefern Brennstoffzellen an Bord, die mit Wasserstoff betrieben werden. Sie fahren recht geräuscharm. Ein Wasserstoffbus ist aktuell in der Anschaffung jedoch rund doppelt so teuer wie ein vergleichbares Dieselfahrzeug.

Laut Hersteller kommen die Fahrzeuge mit einer Tankfüllung Wasserstoff bis zu 1.030 Kilometer weit; die hohe Reichweite gilt als Pluspunkt für den Überlandverkehr. Das Volltanken dauere weniger als zehn Minuten, heißt es. Bis zu 90 Passagiere finden in einem Kite Hydroliner Platz.

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Nahverkehr im Landkreis wird klimaverträglicher.

Mit den Wasserstoffbussen soll zunächst der öffentliche Nahverkehr im östlichen Landkreis Spree-Neiße bedient werden. Das betrifft Buslinien zwischen Spremberg, Forst, Döbern, Guben und Schenkendöbern. Dienstleister für den Fahrbetrieb ist die Spree-Neiße Cottbusverkehr GmbH, ein Tochterunternehmen der städtischen Nahverkehrsgesellschaft Cottbusverkehr in Cottbus.

Auch dort sollen künftig Kite-Hydroliner-Busse im städtischen Nahverkehr eingesetzt werden. Cottbusverkehr hat elf Wasserstofffahrzeuge erworben und begonnen, diese in den Linienbetrieb einzubinden. Alle elf Fahrzeuge waren bereits im Probebetrieb unterwegs. Sie werden bislang aus einer Trailer-Tankstelle auf dem Betriebshof mit grünem Wasserstoff versorgt.

Auch die Busse in Cottbus sollen mit lokal erzeugtem Wasserstoff betankt werden. Dafür entstehen auf dem Busbetriebshof ein Elektrolyseur und eine stationäre Tankstelle. Der Elektrolyseur werde „noch im Herbst dieses Jahres angeliefert und aufgebaut“, teilt der der Stromkonzern LEAG mit, der die Anlage betreiben wird. Bei Cottbusverkehr soll der reguläre Linieneinsatz aller Fahrzeuge mit der Inbetriebnahme der stationären Wasserstofftankstelle in Cottbus erfolgen, so das Unternehmen. Angestrebt ist das bis Ende des Jahres.

Ihr Kontakt.

Porträtfoto Jochen-Christian Werner von Energie Brandenburg in grauem Sakko und hellblauem Hemd.

Jochen-Christian Werner

Pressesprecher