Historisches Rathaus von Birkenwerder mit Uhrturm an einer belebten Straße, umgeben von Bäumen und Wohnhäusern.

Mehr als Wärmeplanung.

Die brandenburgischen Kommunen Hohen Neuendorf und Birkenwerder beteiligen sich am Forschungsprojekt KWPconnect und runden damit ihre Wärmeplanung ab.

Welcher Weg führt am stabilsten zur klimaneutralen Wärmeversorgung von Städten und Gemeinden? Wie kann die Transformation effizient und kostengünstig umgesetzt werden? Viele Kommunen stehen vor solchen Fragen und suchen nach praktikablen Lösungen. So auch die Stadt Hohen Neuendorf und die Gemeinde Birkenwerder in Brandenburg.

Eine grundsätzliche Orientierung wird ihnen die Kommunale Wärmeplanung (KWP) liefern. In Birkenwerder ist sie seit Februar abgeschlossen, in Hohen Neuendorf soll bis Herbst ein fertiger Wärmeplan vorliegen. Doch die beiden Kommunen wollen es noch genauer wissen und beteiligen sich an einem Forschungsvorhaben, das die Wärmeplanung ergänzt.

KWPconnect: Gruppe von elf Personen steht für ein Teamfoto auf einer Treppe in einem modernen Innenraum.
Das Projektteam von KWPconnect. Vorne von links: Sonja Witkowski (Fraunhofer UMSICHT), Heiderose Ernst (Hohen Neuendorf), Sarah Olischläger (Birkenwerder), Petra Teigel (Hohen Neuendorf), Ilka Cußmann (Reiner Lemoine Institut). Hinten von links: Stephan Zimniok (Bürgermeister Birkenwerder), Carsten Beier (Fraunhofer UMSICHT), Jonas Danke (Reiner Lemoine Institut), Hans Michael Oleck (Hohen Neuendorf), Dr. Jens Horn (Energie Brandenburg), Kai Hohnhold (GASAG-Gruppe), Steffen Apelt (Bürgermeister Hohen Neuendorf). Foto: Stadtverwaltung Hohen Neuendorf

Wechselwirkungen zwischen Strom und Wärmeversorgung.

Das im Oktober letzten Jahres gestartete Projekt KWPconnect verknüpft die Wärmeplanung mit einer Energiesystemanalyse, die Wechselwirkungen zwischen Wärme- und Stromversorgung untersucht. Speziell geht es dabei um absehbare Belastungen kommunaler Stromnetze durch Elektrifizierung der Wärmeversorgung, zum Beispiel durch zunehmende Nutzung von Wärmepumpen.

Aus der Analyse sollen erneuerbare Wärmeversorgungskonzepte entwickelt werden, die Überlastungen des Stromnetzes vermeiden und die Planung eines möglicherweise notwendigen Stromnetzausbaus vereinfachen.

Für Birkenwerder und Hohen Neuendorf sind Quartierslösungen denkbar, also zum Beispiel Nahwärmeprojekte oder Wärmelösungen für mehrere Gebäude. Auch die bestehenden Gasnetze und der Einsatz grüner Gase sollen in die Überlegungen einbezogen werden. Die für die Wärmeplanung erhobenen Daten stehen auch für KWPconnect zur Verfügung.

Die Quartierskonzepte werden modellbasiert analysiert und in Energiesystemmodelle integriert. Dadurch könnten Auswirkungen auf das Stromnetz bewertet und Rückschlüsse für eine gesamtsystemisch sinnvolle Weiterentwicklung der kommunalen Wärmeplanung gezogen werden, hieß es bei der öffentlichen Projektvorstellung im April.

Wissenschaftliche Expertise trifft auf Praxiserfahrung.

Dem Projektkonsortium gehören neben Birkenwerder und Hohen Neuendorf, das Reiner Lemoine Institut (RLI), das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT und die EMB Energie Brandenburg GmbH an, die Miteigentümerin der Gasnetze in den beiden Kommunen ist.

Die Leitung des Konsortiums liegt bei der Stadt Hohen Neuendorf. Weitere Akteurinnen und Akteure in den Kommunen sollen in die Projektarbeit eingebunden werden. Gemeinsam wollen die Partnerinnen und Partner untersuchen, wie eine erfolgreiche Transformation der Wärmeversorgung gelingen kann.

Rathaus von Hohen Neuendorf mit modernem Vorplatz, Treppen und Grünflächen unter blauem Himmel.
Auch im Rathaus von Hohen Neuendorf sucht man nach praktikablen Lösungen für die künftige Wärmeversorgung in der Kommune. Foto: Stadtverwaltung Hohen Neuendorf
Porträtfoto Kai Hohnhold, Unternehmensentwickler in der GASAG-Gruppe und Projektleiter für Energie Brandenburg.
Kai Hohnhold, Unternehmensentwickler in der GASAG-Gruppe und Projektverantwortlicher für Energie Brandenburg. Foto: Energie Brandenburg

„Der Mehrwert des Projekts KWPconnect liegt in der sektorübergreifenden Betrachtung der Wärmeplanung“ sagt Kai Hohnhold, Unternehmensentwickler in der GASAG-Gruppe und Projektleiter für Energie Brandenburg. Mögliche Wechselwirkungen zwischen Strom- und Wärmesystemen würden bislang zu wenig in die Wärmeplanung einbezogen, obwohl absehbar sei, dass die zunehmende Elektrifizierung der Wärmeversorgung zu einer zusätzlichen Beanspruchung der Stromnetze führe, so Hohnhold weiter.

Energie Brandenburg werde die Praxiserfahrung als Energieversorger zur Quartiersentwicklung beisteuern und Wärmeversorgungsoptionen sowie Untersuchungsergebnisse praxisnah bewerten.

„KWPconnect bietet die Chance, Erkenntnisse zur künftigen Nutzung unseres Gasnetzes nach 2045 und realistische, finanzierbare Angebote für unsere Kundinnen und Kunden entwickeln zu können“, erklärte bei der Vorstellung des Projekts der damalige Energie Brandenburg-Geschäftsführer Dr. Jens Horn.

Forschungsergebnisse für nächstes Jahr erwartet.

Fraunhofer UMSICHT bringt seine mathematischen Optimierungsmodelle sowie wissenschaftliche Expertise in der Quartiersplanung in das Projekt ein. Aufgabe des Instituts ist, geeignete Quartiere zu identifizieren und mit Akteurinnen und Akteuren vor Ort Versorgungskonzepte zu entwickeln.

Das Reiner Lemoine Institut übernimmt die wissenschaftliche Co-Leitung des Projekts, wird Energiesystemanalysen erstellen und Datenmodelle entwickeln. Ergebnisse, Daten und Modelle der Projektarbeit werden offen zugänglich gemacht, um andere Städte und Gemeinden bei der Wärmeplanung zu unterstützen, kündigt das RLI an.

Forschungsergebnisse sollen bis zum zweiten Halbjahr 2027 vorliegen. Das Projekt KWPconnect „Kommunale Wärmeplanung trifft Energiesystemanalyse: Innovative und integrale Ansätze zur effizienten Transformation des Strom- und Wärmesektors unter Einbindung lokaler Akteursperspektiven“ wird vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert.

Foto Header: Stefan Binkowski, Gemeinde Birkenwerder

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